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Artikelidee "Darum ist das so"

Leser der NEON kennen die Kategorie "Darum ist das so", in der Alltagsphänomene erklärt werden. Wie viel davon wahr und wie viel Pseudowissenschaft ist, ist nicht ganz klar. Auf jeden Fall nimmt sich diese Rubrik nicht allzu ernst und kommentiert mit einem Augenzwinkern.

Ich habe einen Text überlegt, warum wir unsere Nachbarn gern beim Sex belauschen – und diesen fand sogar NEON-Autor Simon Urban gut.

Das Transkript findet ihr unter dem Bild.

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Liebe der Nächsten – darum hören wir nicht weg, wenn Nachbarn Sex haben.

 

In einem walzeresken 3/4-Takt hämmert es gegen die Wand zur Wohnung des osteuropäischen Nachbarpärchens. Schlägt er sie? Sie schreit. Haben sie Sex? Beides ist in Hamburg-Harburg möglich.

 

Wenn Nachbarn über die regulären 60 Dezibel gehen, steigt unser Interesse. Wir drehen den Fernseher leiser. Es ist wie ein Erdgeschoss-Fenster ohne Vorhänge. Für einen kurzen Moment erhalten wir einen Blick in das intime Privatleben der Nachbarn. Dabei sehen wir sie nicht einmal. und doch beginnen wir, uns zu vergleichen, wie wenn die befreundete Familie neue Möbel hat. Wie lange kann er? Wie laut schreit sie? Der Wille, es zu wissen, ist groß. Größer als das Interesse am Polizeiruf 110. Daher nehmen wir das Popcorn, setzen uns mit dem Ohr an die Wand auf einen Stuhl und lauschen dem ungescripteten Hörspiel des Lebens. Tok. Ja. Tok. Oh ja. Tok …